Christian Lorenz – Identität

Ein abgelegenes Dorf vor den Toren Berlins. Minke hat sich hierher in ihr Elternhaus geflüchtet und lebt wie viele andere in der Gegend vom Ackerbau. Eines Tages steht Thomas quasi vor ihrer Tür. Er kann sich weder erinnern, wie er dahin gekommen ist, noch ergeben seine Erinnerungsfetzen Sinn. Da er gerne arbeitet, nimmt ihn Minke auf, auch der Förster Herzel mag den Fremden und hat genügend Aufgaben für ihn. Minke als Netzaktivistin und versiert in neuen Medien ahnt, dass hinter diesem mysteriösen Mann eine größere Geschichte steckt. Schnell gerät sie selbst ins Visier der Entführer und Thomas muss erneut flüchten.
Mich konnte dieser Thriller leider nicht überzeugen. Lange und vor allem langatmige Passagen über Ackerbau und Viehzucht waren sehr quälend und für die Handlung meines Erachtens ohne Bedeutung. Die Figuren blieben für mich zu flach, um mich mit ihnen leiden und fiebern zu lassen. Thomas blieb ohne Erinnerung auch ohne Profil und kam mir weitgehend roboterhaft vor. Förster Herzel mimte den etwas einfältigen Dorfbewohner, Minke war diffus und als Figur zu unstimmig in ihrer Haltung und Handeln als dass sie in mir Sympathien hätte wecken können.
Der Thriller ist als Dystopie angelegt in einer Zeit eines überwachten Deutschlands. Die Idee des Rückzugs auf das Land weg von der direkten Kontrolle hin zum einfachen Leben ist durchaus ein interessanter Ansatz in diesem Genre. Was mir jedoch fehlte war ein wirklicher Einblick in das System, hier wird vielfach mir Phrasen gedrescht und plakative Zuordnungen vorgenommen, die nur wenig auf eine ausgereifte politische Idee hinter dem Roman schließen lassen.
Fazit: ein interessanter Ansatz, der mir aber zu wenig überzeugend umgesetzt wurde.

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Johanna Alba/Jan Chorin – Hosianna!

Weihnachten steht vor der Tür. Papst Petrus will sich gerade auf die besinnliche Zeit einstimmen – Planung des Menüs, Aufbau seiner Krippe – als das Verschwinden eines Priesters seine volle Aufmerksamkeit erfordert. Ausgerechnet in dem Haus, in dem auch seine beiden Schwestern leben, gehen seltsame Dinge vor sich. Wenn das die Presse erfährt – Petrus muss selbst ermitteln, um zu verhindern, dass diese Geschichte bekannt wird. Immaculata, seine Haushälterin, die ein hartes Regiment führt, sein Sekretär Francesco und seine Assistentin Giulia müssen helfen, die kuriose Hausgemeinschaft des alten Palazzos zu untersuchen. Denn dass ein Mord geschehen sein muss, liegt auf der Hand: ein blutiges Schwer und das blutgetränkte Bett sind eindeutige Beweise! Tag für Tag rückt das Fest näher und dass bis zum Heiligabend der Fall gelöst sein muss, ist klar. Dabei haben die Figuren auch noch ganz andere Sorgen und Giulia gerät ganz plötzlich auch noch in größte Gefahr.
Das Buch ist nicht ganz leicht einem Genre zuzuordnen. Der Mord und die Ermittlungen des privaten Teams sind durchaus ein Kriminalfall, der geschickt aufgezogen und sauber gelöst wird. Dazu kommt eine zweite mysteriöse Geschichte um Immobilien in Rom, die ebenfalls interessante Aspekte zutage fördert und sich clever mit dem ersten Handlungsstrang verbindet. Die Figurenzeichnung und die Dialoge sind jedoch eher humoristischer Natur. Liebevoll sind sie gezeichnet mit ihren Macken und Ticks, weit von jeder Perfektion entfernt, aber dafür umso herzlicher wachsen sie einem schnell ans Herz und lassen den Leser mit ihnen leiden und fiebern. Die Dialoge sind das Highlight des Buchs, heiterer Wortwitz und Verdrehungen, die genau passend dosiert sind, um nicht zu überzogen zu wirken.

Fazit: hervorragende Unterhaltung zur Vorweihnachtszeit – solange man mit einem Augenzwinkern den päpstlichen Haushalt betrachten kann.