Batya Gur – Am Anfang war das Wort

Am ehrwürdigen Literaturseminar der Universität von Jerusalem gibt es gleich zwei Tote. Ein junger Dozent verunglückt bei einem Tauchunfall und der angesehene Professor Tirosch wir ermordet aufgefunden. Inspektor Ochajon ermittelt in bekannten Kreisen, hat er selbst doch auch eine Zeit lang am Institut studiert und kennt die Gepflogenheiten. Schnell steht fest. dass der vermeintliche Unfall einer manipulierten Gasflasche zuzuschreiben ist, es gibt also zwei Morde, die auch offenbar zusammenhängen. Doch Ochajon tappt zunächst im Dunkeln, hat eine skandalträchtige Vorlesung damit zu tun? Und was hat der Nachwuchswissenschaftler in den USA erfahren, das ihn womöglich sein Leben gekostet hat?

Batya Gur schafft es einen Ermittler zu kreieren, der sich durch feinsinnige Intellektualität von der Masse der Kommissare abhebt. Ochajon gefällt mir unglaublich gut, vor allem weil er ohne große Action auskommt und die Romane dennoch nicht an Spannung mangeln lassen. „Am Anfang war das Wort“ begeistert mich vor allem durch das Setting und den literarischen Diskus, der nebenbei geführt wird. Der Fall an sich ist glaubwürdig und überzeugend gelöst.
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EM Forster – A Room with a View

Florenz, Italien. Die junge Lucy Honeychurch bereist mit ihrer ältlichen Kusine Charlotte Barnett das Land. In der Pension Bertolini erhalten sie Zimmer, die jedoch keine besonders schöne Aussicht bieten. Ein gewisser Herr Emerson bietet an, mit ihm und seinem Sohn zu tauschen, da sie einen schönen Blick über den Arno haben aus ihren Räumen. Charlotte ist konsterniert über ein solches Angebot, auch die anderen britischen Hotelgäste sind von dem seltsamen Vater-Sohn-Gespann eher abgestoßen, man merkt, dass diese nicht zu den besseren Kreisen gehören. Dennoch nehmen die Damen das Angebot an. Lucys Reise hat noch mehr Überraschungen für sie auf Lager, die Autorin Mrs Lavish bringt sie in größte Gefahr und bei einem Ausflug nach Rom geschieht etwas Unerhörliches. Zurück in England soll sie Cecil Vyse heiraten. Doch schon bald merkt sie, dass dieser vermeintliche gesellschaftliche Aufstieg durch die Hochzeit für sie nicht das ist, was ihr Herz ihr sagt.

Für mich der bislang schwächste E;M Forster. Die Figuren bleiben mir – insbesondere Lucy als Protagonistin – doch sehr flach und fremd. Auch bricht der Roman mit dem Ortwechsel. Wird in Italien noch herrlich die Gesellschaftskritik an seinen Landsleuten klar – hier sieht man Forsters Sprachkönnen und rücksichtslose Abrechnung – flacht das Buch zurück in der Heimat merklich ab und zieht sich so dahin. Als Klassiker der britischen Literatur immer noch lesenswert, im Vergleich zu anderen Werker des Autors jedoch für mich weniger bedeutsam.

Gilbert K. Chesterton – Der geflügelte Dolch

Pater Brown wird vom Polizeiarzt Dr. Boyle zu Hilfe gezogen. Ein Fall, bei dem er nicht weiß, ob die Polizei, ein Arzt oder doch eher ein Geistlicher gefragt ist. Ein Mann scheint unter Verfolgungswahn zu leiden, doch ganz unbegründet ist dessen Angst wohl nicht. Nach dem Tod ihres Vaters hatten die drei Söhne um das Erbe zu kämpfen, denn der Eindringling Elison hatte sich das Vertrauen des Vaters erschlichen. Nun doch ohne Erfolg dastehend droht er den Brüdern mit dem Tod. Zwei von ihnen sind schon bei seltsamen Unfällen ums Leben gekommen, nun scheint der dritte an der Reihe.

Ein klassischer Detektivroman, der ohne technischen Schnickschnack auskommt und sich auf den Menschenverstand verlässt. Es gibt einen erwartbaren Mord, auch wenn di4e Aufklärung kurioses zu Tage fördert. Keine Megaspannung, wie man sie in aktuellen Stoffen oft erlebt, aber dafür solide Unterhaltung mit glaubwürdiger Auflösung.

Julian Barnes – Love etc.

Oliver, Stuart und Gillian waren einst beste Freunde. Gillian war mit Stuart verheiratet, doch auf der Hochzeit merkte Oliver, dass er selbst in sie verliebt ist und setzte alles dran, dem Freund die Frau auszuspannen – erfolgreich. Heute leben die beiden mit zwei Kinder mehr schlecht als recht in London. 12 Jahre nach der letzten Begegnung taucht Stuart wieder auf. Er ist inzwischen in Amerika erfolgreich als Geschäftsmann tätig. Unter dem Vorwand alte Freundschaften wieder aufleben zu lassen sucht er den Kontakt. Er gibt dem Paar Ratschläge, bietet seine Hilfe an und verschafft Oliver sogar einen Job. langsam treibt er den Wiedersacher damit in eine Depression und kann so seinen Plan endlich ausführen.

Julian Barnes schenkt nicht. in aller Grausamkeit begegnen sich die drei Personen, die sich nicht trauen – aus gutem Grund – versuchen ihr Selbst- und Fremdbild aufrecht zu erhalten, sich gegenseitig aber doch vernichten. Hier wird niemand glücklich.