Michael Behrendt – Steinefresser

Steinefresser – So nennt man die Polizisten, die bei Demonstrationen an der Front stehen und die Steine der Gewaltbereiten „fressen“ müssen.  Wolf Schacht hat so auch einmal angefangen und sich dann den schweren Weg hinauf gebahnt bis zum Teamführer einer SEK Einheit. Da er merkt, dass langsam die Zeit gekommen ist, sich etwas Neues zu suchen für die restlichen Arbeitsjahre, macht er ein Praktikum bei der Mordkommission. Gleich der erste Tote bietet besondere Brisanz: ein ehemaliger Kollege Schachts, der jetzt als Personenschützer für Politiker arbeitet. Was von den Behörden schnell als Suizid abgetan wird, beschäftigt Schacht, denn daran kann er kaum glauben. Zunächst auf eigene Faust, dann auch durch einen Vorgesetzten inoffiziell ermutigt, legt er mit privaten Ermittlungen los, nicht ahnend, dass er ein ganz heißes Eisen anpackt und sich ranghohe Feinde schafft. Ohne Rückendeckung und Auffangnetz geht er der Wahrheit auf den Grund und bringt sich in Lebensgefahr.
Michael Behrendt hat einen glaubwürdigen, authentisch wirkenden Protagonisten geschaffen, der restlos als lonesome wolf überzeugen kann. Feste Überzeugungen, ein starker Sinn für eine Gerechtigkeit – die sich nicht immer mit dem Gesetzt deckt – leiten und treiben ihn an. Die Geschichte wirkt auf mich nicht nur logisch und spannend, sondern ist erschreckend vorstellbar in der Realität. Lange Zeit bleiben die wahren Zusammenhänge unklar und verborgen, erst nach und nach lichtet sich der Schleier, derweil bahnt sich Schacht unnachgiebig seinen Weg und hält den Leser im Bann.
Ich bin eigentlich kein Fan von diesen einsamen Ermittlern, die auch gerne mal die robustere Tour fahren – Michael Behrendts Protagonist konnte mich aber überzeugen und bestens unterhalten. Für mich im Genre eine erfreuliche Ausnahme von der 0815- Ermittlerdarstellung.
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