Thomas Sailer – Die Aktivistin

Die EU hat beschlossen das Bargeld im Euroraum abzuschaffen. Fortan gibt es nur noch die elektronische Währung. Die Bevölkerung scheint im Dämmerschlaf, doch in Johanna Perls Familie wird deutlich, dass man unmittelbar davon betroffen sein wird. Die Studentin fasst den Mut, sich gegen die große Reform und das Monstrum EU zu stellen und nicht klaglos alles über sich ergehen zu lassen. mit einem kleinen Blog und privaten Gedanken beginnt, was sich bald zu einer multinationalen Widerstandsbewegung auswächst. Immer mehr Befürworter stehen hinter der jungen Frau, doch auch in Brüssel ist man auf sie aufmerksam geworden und not amused. Gegen die Gallionsfigur muss etwas unternommen werden.
Thomas Sailer wagt ein Gedankenexperiment und arbeitet dieses an der Figur der Studentin Johanna ab. Inhaltlich finde ich den Roman mit seinem Ansatz hochinteressant – könnte ein einzelner stark genug sein, Massen zu mobilisieren und eine solche Entscheidung zu verhindern? Leider bleibt er mir dabei oft zu oberflächlich und reißt nur an, ich hätte mir ein tieferes Durchdrungen der Thematik auch fiktiv gewünscht, um die Gefahren einer solchen Idee deutlich zu machen. Auch bleibt mir Johanna zu diffus, oftmals scheint sie den Anschluss an die Entwicklung verpasst zu haben und wirkt geradezu dümmlich, immer wieder muss ihr jemand einfachste Dinge erklären. Eine Aktivistin hätte ich mir hier nicht nur ausnehmend hübsch, sondern auch mit etwas mehr Intelligenz gesegnet und forscher vorgestellt. Auch die anderen Figuren sind nur schablonenhaft gezeichnet ohne wirklich zum Leben erweckt zu werden. Das größte Manko ist für mich der Sprachstil. Der Text holpert vor sich hin, wirkt gestelzt, die Dialoge unglaubwürdig. Möglicherweise liegt das daran, dass der Autor Österreicher ist, aber mir wäre bislang nicht aufgefallen, dass man in unserem Nachbarland eine Gesprächskultur wie der deutschen Vorkriegszeit pflegen würde.

Das Fazit ist schwierig. Die Idee ist die Stärke des Buchs, mich hat interessiert, wie dieser Gedanke fortgeführt wird. Die Umsetzung ist insgesamt für mich jedoch eher mäßig und nur begrenzt überzeugend gelungen. 
Advertisements

Carin Bartosch Edström – Der Klang des Todes

Eine beschauliche Schäreninsel, auf der das klassische Quartett die Aufnahmen beenden möchte. Doch dann ist der Starviolinist Raoul Liebeskind tot und die vier Damen alle mehr als verdächtig. Helena, seine alte Geliebte; deren Halbschwester Caroline, die neueste Flamme des Geigers, die ihm sogar ein Kind schenken wollte; Louise, Besitzerin der Schäreninsel und noch Partnerin von Caroline; Anna, die ebenfalls mit Raoul die Liebe wiederentdeckte. Möglicherweise war es aber auch keine der Damen, denn in der Tatnacht befand sich neben den unverdächtigen Tontechnikern auch noch ein weiterer Mann auf der Insel, der durchaus Motive haben könnte.
Liebe und Tod sind in der Krimiwelt oft miteinander verbändelt, hier finden sie fast zu häufig zueinander. Ein komplexes Gebilde von Beziehungen, Enttäuschen, Hoffnungen und Erwartungen wird aufgebaut, dass letztlich alle Figuren enttäuscht und verärgert zurück lässt. Die Frauen alle mit ihren individuellen Zügen gezeichnet, verbunden durch Raoul und die Musik, bilden den Dreh- und Angelpunkt und lange Zeit herrscht beim Leser Verwirrung und Unklarheit, mit jedem neuen Verhör scheint man der Täterin ein Stück näher und zugleich ein Stück ferner zu sein.

Brigitte Aubert – Die vier Söhne des Doktor March

Jeanie wird trotz krimineller Vergangenheit bei Familie March angestellt. Beim Aufräumen stößt sie auf das Tagebuch eines der vier Söhne – dieser ist offenbar ein Mörder. Nur welcher ist der Übeltäter? Vierlinge, die sich ähnlich sehen, aber im Charakter verschieden sind. Aufgrund der Handschrift kann sie ihn nicht identifizieren, also beschließt sie, die Sache zu beobachten. Doch der Täter ist cleverer als sie glaubt und merkt schon bald, dass sie ihn beobachtet. Er nötigt sie, in seinem Tagebuch zu antworten und so treten beide in Konversation und einen Wettkampf. Kann Jeanie den nächsten Mord verhindern? Kann der Täter auch Jeanie zum Opfer machen?

Ein perfider Thriller, der das Opfer leiden und hoffen lässt und dem Leser auch nichts erspart. Eine interessante Lösung präsentiert Brigitte Aubert, die so nicht vorhersehbar war, aber keiner Plausibilität mangelt.