Anne-Laure Bondoux – Le temps des miracles

Das Leben im Kaukasus der Nachsowjetzeit ist alles andere als einfach, das lernt auch der kleine Koumaïl schon früh. Mit seiner Adoptivmutter Gloria ist er auch der Flucht vor Krieg und Vertreibung in Richtung Frankreich, dem Land der Menschenrechte, wo Egalité, Fraternité und Liberté noch gelebt werden. In seinem grünen Atlas hat er sich das Land seiner Träume bereits angesehen. Aber es gibt noch einen Grund für dieses Ziel: er selbst ist Franzose und heißt eigentlich Blaise Fortune. Seine Mutter kam bei einem schweren Zugunglück ums Leben und Gloria hat sich seiner angenommen. Allabendlich erzählt sie ihm seine Lebensgeschichte und schenkt ihm Hoffnung, seine Mutter und sein Geburtsland eines Tages zu sehen. Die Reise ist gefährlich. Schlepper müssen bezahlt werden, das tägliche Überleben ist ein Kampf, mühsam verdienen sie sich das Essensgeld und der Krieg rückt stetig näher. Doch schließlich sitzen sie in einem Transporter, der sie das entscheidende Stück mitnehmen wird. Kurz hinter der deutsch-französischen Grenze jedoch wird Koumaïl von der Polizei aufgegriffen und Gloria ist verschwunden. Erst Jahre später wird er seine wahre Lebensgeschichte erfahren.

Ein Jugendbuch, das von einem ganz anderen Leben erzählt, als man es in Westeuropa kennt. Ohne wirklich Gräuel darzustellen ist der harte Kampf ums schiere Überleben jedoch präsent und kommt eindrücklich beim Leser an. Nichtsdestotrotz gibt die Figur der Gloria Hoffnung – immer wieder tröstet und ermutigt sie den Jungen, nach vorne zu blicken und auf die Zukunft zu schauen, die besser sein wird. Das Ende, das wie ein Schock auf ihn wirkt, geht auch am Leser nicht spurlos vorbei. Man kann sich die Not der Menschen vorstellen und auch wozu sie bereit sind, um den Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen.
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