Anna Martens – Engelsschmerz

Jule ist verschwunden, da ist sich ihre Mutter sicher. Seit Wochen hat sie nichts von der Tochter gehört, und nun hat sie sich auf den Weg nach München zu ihr gemacht. Die Wohnung ist verweist – hier war schon lange keiner mehr. Auch bei ihrem Nebenjob hat man sie lange nicht gesehen. Ihr Nachbar, der scheue Martin, wundert sich ebenfalls, dass sie nicht da ist. Ist die Trennung vom Freund Tim der Grund, dass sie Abstand sucht? Aber warum meldet sie sich bei niemandem? Viele Freunde hatte sie nicht, aber so ganz ohne Lebenszeichen? Der Leser ist der Mutter voraus: Jule wird gefangen gehalten und misshandelt.

Ein klassischer Thriller, der auf zwei Erzählebenen funktioniert. Die Geschichte um die Mutter und sie zähe Suche und im Wechsel damit die Ereignisse um Jule einige Wochen zuvor. Langsam nähern sich die Erzählstränge an. Obwohl der Leser schon weiß, wo und warum sich Jule dort aufhält, bleibt die Spannung hoch, denn es ist nicht abzusehen, was mit ihr geschieht. Insgesamt eine glaubwürdig konstruierte Handlung, die langsam die Charaktere entwickelt und dennoch die für einen Thriller unerlässlichen Momente höchster Spannung und zugegebenermaßen kaum zu ertragender Widerwärtigkeit bietet. Keine unnötigen Schnörkel und überschaubares Personal lassen die Handlung zielgerichtet ihren Verlauf nehmen ohne sich mit Längen und Nebenkriegsschauplätzen aufzuhalten. Für mich eine runde, gelungene Sache. 
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