Anna Martens – Engelsschmerz

Jule ist verschwunden, da ist sich ihre Mutter sicher. Seit Wochen hat sie nichts von der Tochter gehört, und nun hat sie sich auf den Weg nach München zu ihr gemacht. Die Wohnung ist verweist – hier war schon lange keiner mehr. Auch bei ihrem Nebenjob hat man sie lange nicht gesehen. Ihr Nachbar, der scheue Martin, wundert sich ebenfalls, dass sie nicht da ist. Ist die Trennung vom Freund Tim der Grund, dass sie Abstand sucht? Aber warum meldet sie sich bei niemandem? Viele Freunde hatte sie nicht, aber so ganz ohne Lebenszeichen? Der Leser ist der Mutter voraus: Jule wird gefangen gehalten und misshandelt.

Ein klassischer Thriller, der auf zwei Erzählebenen funktioniert. Die Geschichte um die Mutter und sie zähe Suche und im Wechsel damit die Ereignisse um Jule einige Wochen zuvor. Langsam nähern sich die Erzählstränge an. Obwohl der Leser schon weiß, wo und warum sich Jule dort aufhält, bleibt die Spannung hoch, denn es ist nicht abzusehen, was mit ihr geschieht. Insgesamt eine glaubwürdig konstruierte Handlung, die langsam die Charaktere entwickelt und dennoch die für einen Thriller unerlässlichen Momente höchster Spannung und zugegebenermaßen kaum zu ertragender Widerwärtigkeit bietet. Keine unnötigen Schnörkel und überschaubares Personal lassen die Handlung zielgerichtet ihren Verlauf nehmen ohne sich mit Längen und Nebenkriegsschauplätzen aufzuhalten. Für mich eine runde, gelungene Sache. 

Jane Austen – Sense and Sensibility

Als Mr Dashwood stirbt, geht der Familiensitz an den einzigen Sohn des Hauses, John. Die zweite Ehefrau muss mit den Töchtern das vertraute Heim verlassen und mit einem bescheidenen Einkommen auskommen. Die kleine Familie zieht nach Devonshire, wo sie unter dem Schutz des Cousins Middleton ein deutlich bescheideneres Leben führen müssen. Eine günstige Hochzeit für Elinor oder Marianne wäre jetzt sehr wünschenswert, doch beide Töchter scheinen sich den falschen Mann ausgeguckt zu haben und schon bald sind sie verlassen und am Boden zerstört.

Ein klassischer Plot des 18. Jahrhunderts in der besseren Gesellschaft. Soziale Missstände und dergleichen sind ausgeblendet, einzig das Verheiraten der Töchter mit wohlsituierten Herren füllt den Tag der Damen. Das Hin und Her hat durchaus unterhaltsame Momente, dass es am Ende gut ausgeht, ist ebenfalls zu erwarten und ernsthafte Tiefe kann bei diesem Personal nun auch nicht erhoffen. Als nettes Schmankerl mal zwischendurch aber immer wieder unterhaltsam. 

Frank Goosen – Echtes Leder

Frank Goosen berichtet von seinem Dasein als Fußball-Fan. Fan des Vfl Bochum, was die Sache nicht leichter macht – aber immerhin bereitet das auf das Leben vor, denn Leid zu ertragen hat der Vfl Fan gelernt. In gewohnt humoristisch und selbst-ironsicher Weise berichtet er von seinen Erlebnissen rund um „die schönste Nebensache der Welt“. Sei es der Besuch von „Herren“ (der Männertoilette im Stadion) oder der Rückblick auf fast große Momente der Vereinsgeschichte, jeder Aspekt kann dazu herhalten, ihn zu thematisieren und ihm die erforderliche Bedeutung zuzuschreiben – die natürlich (insbesondere von Nicht-Fußballfans) völlig verkannt wird. Auch kleine Seitenhiebe auf die anderen, völlig unbedeutenden Vereine im Revier dürfen hier nicht fehlen. Goosen ist sich der Bedeutung seines Vfl voll und ganz bewusst.
Besonderes Schmankerl beim Hören ist hierbei der typische Einschlag des Ruhrgebiets, immer dann, wenn es in die Niederungen des Niveaus geht. Auch wenn man nur begrenzt Fußball-affin ist, kann man hier köstlich unterhalten werden.