Georges Simenon – La boule noire

Walter Higgins, Leiter des örtlichen Supermarkts, will nichts mehr als endlich Mitglied im legendären Country Club werden. Die Voraussetzungen erfüllt er doch alle. Doch der Eintritt birgt eine Hürde: es müssen in geheimer Abstimmung alle Mitglieder seiner Aufnahme Zustimmen. Dies geschieht mit Kugeln, weiße stehen für Ja und nur eine einzige schwarze verhindert den Eintritt. Doch auch dieses Mal befindet sich eine schwarze Kugel unter lauter weißen und wieder wird Walter abgelehnt. Das lässt er nicht auf sich sitzen.

Ein kurzer Simenon, der zur Abwechslung in Amerika angesiedelt ist und dort das Kleinstadtleben mit all ihren Hinterhältigkeit einfängt. Der Wunsch dazuzugehören, die heimtückische Ablehnung und die Rache des Verschmähten mit seinen Mitteln.  Nicht Simenons überzeugendstes Werk, dennoch nicht ohne Unterhaltungswert.
Advertisements

Francis Durbridge – Paul Temple und der Fall Gilbert

Eigentlich ist Paul Temple schon auf dem Weg in den Urlaub, als er Besuch von Wilfried Sterling erhält. Dessen Tochter Brenda wurde ermordet und der vermeintlich Schuldige zum Tode verurteilt. Der Vater hat jedoch Zweifel und bittet Temple um Hilfe. In Brendas Tagebuch gab es einen Eintrag, ein Treffen mit L. Fairfax, den jedoch niemand zu kennen scheint. Temples Interesse ist geweckt und als kurze Zeit später eine von Brendas Freundinnen ermordet aufgefunden wird, ist er sicher, dass der junge Gilbert nicht der Mörder sein kann. Doch egal wo er auch Nachforschungen anstellt, der Fall wird immer komplexer und immer mehr Verdächtige erscheinen auf der Bildfläche. Bald schon geraten Temple und seine Frau Steve selbst ins Visier des Mörders.

Man kann diese Klassiker der Krimigeschichte nur lieben. Natürlich sind die Figuren überzeichnet und Kommissar Zufall spielt auch mit, aber aus heutiger Sicht erscheinen sie alle sehr liebenswert und herzlich. Was mich insbesondere an dem Paul Temple Fällen immer wieder überzeugt: eine in sich stringente und logische Handlung, die nicht durch technischen Schnickschnack, sondern durch die Cleverness des Ermittlers gelöst wird, der die Menschen geschickt führt und überführt. 

Edward St Aubyn – Lost for Words

Der „Elysian Prize for Literature“ soll vergeben werden. Das Komitee wird offenbar recht willkürlich nach Standesdünkel und zweifelhaften Kriterien ausgewählt und es ist klar, dass hier eine Einigung nicht einfach wird. Aber auch die Schriftsteller warten auf die Veröffentlichung der Long- und Später Short-List und bereiten sich schon auf ihre Siegesreden vor. Katherine Burns, brillante Schreiberin mit Herz für allerlei Männer, ist sich fast sicher, dass man an ihr nicht vorbeikommt – doch ihr Verleger vermasselt die Teilnahme und schickt das falsche Manuskript. Dies wiederum gehört einer Inderin, die lediglich ein Kochbuch schreiben wollte. Deren Neffe hofft seinerseits auf den Sieg und schmiedet Mordpläne, als er in der Short-List nicht berücksichtigt wird.

Ein satirischer Blick auf die Vergabe von Literaturpreisen. Die Hybris der Autorenschaft, die sich weder um Publikum schert noch einen Bezug zur Realität hat, die Juroren, deren Kriterien nicht nur absurde Züge tragen, sondern die sogar glaubwürdig nach diesen Handeln und den Leser sich fragen lassen, ob da nicht doch ein Funken Wahrheit dran sein könnte. Viel Komik, herrlich absurd und das Ende kommt, wie es einfach kommen muss.

Harold Pinter – The Hothouse

Weihnachtsabend, ein Heim. Ob Psychiatrie oder etwas anderes bleibt unbestimmt. Roote, Leiter dieser ominösen Anstalt, erkundigt sich nach seinen Patienten, die alle statt mit ihren Namen mit Nummern charakterisiert werden. Doch die normalerweise streng bewahrte Ordnung gerät an diesem Abend durcheinander: Patient 6457 ist einfach gestorben und Patientin 6459 hat ein Kind bekommen – offenbar von einem Angestellten. Diese völlig unakzeptablen Umstände gilt es aufzuklären.

Ein frühes Bühnenstück von Pinter, das er erst viele Jahre später veröffentlichte. Es besticht – neben dem kuriosen Personal und dem bemerkenswerten Setting – in typisch Pinter’scher Weise durch eine Sprachgewalt und einen Wortwitz, der kaum übertroffen werden kann. Gestochene, auf den Punkt treffsichere Formulierungen belegen einmal mehr, dass er völlig zu Recht den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Inhaltlich wird einmal mehr die Absurdität psychiatrischer Anstalten, wie sie sich auch Mitte des 20. Jahrhunderts noch zeigte deutlich: zweifelhafte Methoden, neurotische Direktoren und sich andienende Emporkömmlinge. Jede Zeile ein Genuss.