Stefan B. Meyer – Desperados im Land des Lächelns

Wendezeit in Dresden. Alte Eliten werden abgelöst durch Westler, jeder rettet, was er noch retten kann und sorgt vor für das Leben im neuen Staat. Staatsanwalt Mars aus Süddeutschland sieht den Neubeginn im fernen Osten als Karrierechance, nicht ahnend, dass ihn dort gleich Mordfälle erwarten, die die höchsten politischen Ämter in Aufruhr versetzen. Er braucht Unterstützung, der im Vorruhestand befindliche Ermittler Wallner ist genau der richtige. Mit Spürsinn, dem richtigen Riecher und dem passenden Maß an Abgebrühtheit, suchen sie die Mörder von Herrn und Frau Paulus sowie einem desertierten Soldaten der Sowjetarmee.
Der Krimi als solches präsentiert einen politisch heiklen und authentisch wirkenden Fall. Die chaotische Übergangszeit nutzen sicherlich viele, um alte Akten verschwinden zu lassen, Leichen im Keller zu beseitigen und sich in eine günstige Position für den Neuanfang zu bringen. Daneben besticht der Roman jedoch durch eine glaubwürdige Darstellung der Zeit, die scharfsinnig mit auf den Punkt treffenden Formulierungen untermauert wird. Es macht enormen Spaß, die kleinen Seitenhiebe, mal ironisch, mal sarkastisch, aber immer treffsicher im Text zu finden und es fällt leicht, sich in die Zeit und die Situation der Ermittler zu begeben. Die Figuren haben alle ihre Ecken und Kanten, keiner ist durch und durch sympathisch und von Beginn an der „Held“. Doch ihre kleinen Makel – seien es  Staatsanwalt Mars‘ typische Vorbehalte gegenüber dem Osten oder Wallners Auffassung von Obrigkeitstreue und Rechtssinn – machen sie nicht nur liebenswert, sondern vor allem menschlich. Sie agieren nach bestem Wissen und Gewissen im Dienste der Gerechtigkeit und nichts anderes kann man sich wünschen.

Fazit: ein durch und durch gelungener Krimi vor einer interessanten Kulisse. 
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