René Freund – Liebe unter Fischen

Alfred Firneis versinkt. In seiner Wohnung herrscht Chaos und ans Schreiben ist nicht zu denken. Seine Verlegerin braucht aber schnell einen Erfolg und nimmt sich des Burnouts ihres Geldesels an: sie schickt ihn auf eine Hütte in die Einsamkeit. Und tatsächlich: Alfred blüht plötzlich inmitten der Natur auf und findet wieder zu sich selbst. Fernab der Zivilisation taucht plötzlich Mara auf, die eine Doktorarbeit über Fische schreibt und mit den zarten Gefühlen für diese Frau kommt auch die lyrische Ader wieder zum Vorschein. Doch Mara ist nicht, wofür Alfred sie gehalten hat.

Ein humorvoller Roman über einen Menschen in Erschöpfung. Die Figuren liebevoll gezeichnet, ein vager Blick nur in ihre Gefühle und das Näherkommen. Kleine Fische als Spiegelung des menschlichen Verhaltens und die Abgeschiedenheit der Alpen, die einen neuen Blick auf das Sein gewährt. Eine überzeugende Mischung aus Amüsement und Ernsthaftigkeit, Erfolgsdruck und Selbstfindung. 

Don Winslow – Vergeltung

Dave Collins verabschiedet sich am Flughafen von seiner Familie, schon in wenigen Tagen wird er sie wiedersehen und gemeinsam Weihnachten feiern. Doch dazu kommt es nicht, denn der Flieger mit seiner Frau und seinem Sohn explodiert. Die Regierung möchte den Anschlag vertuschen und stellt es als Unfall dar, doch so leicht lässt sich der ehemalige Elitesoldat nicht abwimmeln. Er wird seine Familie rächen und sich den Auftraggeber Aziz selbst vornehmen. Dank alter Kontakte kann er ein Team von Elitekämpfern aus unterschiedlichen Ländern und mit der notwendigen Durchschlagskraft zusammenstellen. Er begibt sich in den Kampf und hat es bald nicht nur mit einem fanatischen Islamisten zu tun, sondern auch mit seiner eigenen Regierung, die ihn jagt, und Verrätern in den eigenen Reihen.

Ein Buch wie ein Film – zumindest scheint es die Vorlage für einen action- und explosionsreichen Hollywood-Blockbuster zu sein. Der Plot ist glaubwürdig, der Rachefeldzug sinnvoll motiviert und mit dem Hintergrund der Protagonisten auch nicht ganz aus der Luft gegriffen. Es nervig sind Massen von technischen Daten, die den in diesem Bereich nicht versierten Leser langweilen und nichts sagen. Die Handlung ist in weiten Teilen vorhersehbar, aber das ist bei einem derartigen Thriller nicht ungewöhnlich, dass der Held am Ende siegt und Niederlagen davor, nur keine Hindernisse auf dem Weg zum Sieg darstellen, ist erwartungsgemäß. Auch die schwarz-weiß Malerei in Gut und Böse von einem amerikanischen Autor jetzt nicht überraschend. Winslows Schreibstil jedoch wieder einmal überzeugend und mitreißen.