Angelika Hager – Schneewittchen-Fieber

Angelika Hager schreibt auf Seite 49 des Buches: „Ich wollte dieses Buch schreiben, weil ich wütend bin.“ – Das merkt man.
Die Autorin holt aus zum Rundumschlag gegen Frauen, die sich in ein vorrevolutionäres Pseudo-Familienidyll flüchten und dabei vergessen, dass sie eigentlich über Intelligenz und ausreichend Bildung verfügen, sich nicht in die totale Abhängigkeit zu begeben. Frauen, die sich selbst reduzieren auf ihr Äußeres und in der Prinzessinnenrolle voll aufgehen. Frauen, die sich selbst zum Opfer machen und damit all jenen schaden, die wirklich Opfer von Diskriminierung und Gewalt werden. Und auch Männer, die Alterskomplexe ausleben oder vor Weinerlichkeit unerträglich sind.

Natürlich überspannt sie den Bogen und überzeichnet so manche Situation. Auch die Ausdrucksweise ist bisweilen drastisch, aber die Aussagen dahinter sind ernst. Eine Aufforderung an die Frauen von heute, sich nicht in Rollen oder vermeintliche Zwangsentscheidungen zwängen zu lassen – Mutter des Jahres oder Karriere-Furie – und die Unabhängigkeit und Freiheit, die in den Jahrzehnten zuvor gewonnen wurde, auch zu nutzen. Ein zwar unterhaltsamer aber ernst gemeinter Blick auf den Zustand der Frau 2014 – der sich auch für Männer empfiehlt. 

Paul Bokowski – Hauptsache nichts mit Menschen

Paul Bokowski schreibt über sein Leben in Berlin. Sein Verhältnis zu den Eltern. die alltäglichen Unwegsamkeiten eines Endzwanzigers. Mal lustig, mal fast erschreckend, oft satirisch und auch selbstironisch. Kurze Geschichten, Tagebucheinträge, Dialoge – variationsreich und unterhaltsam. Die Mutter, die sich plötzlich mit dem Internet auskennt und droht sein Privatleben zu entdecken, der tote Nachbar, der wenigstens kein Lärm mehr versursacht, die Weihnachtsparty bei IKEA zu der er sich schleicht, ein Überfall im Hausflur und immer wieder auch kommt der Hypochonder durch. Genau beobachtet er seine Mitmenschen und sich selbst und mit treffendem Sprachwitz verarbeitet er das Leben um ihn rum in seinen Episoden, die von wenigen Zeilen bis mehreren Seiten reichen.
Kurzgeschichten aus der Hauptstadt zum Amüsieren für Zwischendurch.