J.F. Penn – Desecration

Ein grausamer Mord in einem Londoner Museum. Die junge Jenna, Tochter aus besserem Haus, die sich von den Eltern abgewandt hat, liegt nicht nur ermordet, sondern regelrecht zugerichtet aufgebahrt zwischen den Exponaten. Ermittlerin Jamie Brooke wird der Fall übertragen. Blake Daniel unterstützt sie mit seiner übernatürlichen Fähigkeit, sich in Dinge hinein zu fühlen und zu sehen, was mit diesen geschah. Bei der Arbeit die starke, abgehärtete Frau durchleidet Jamie jedoch den privaten Super-Gau: Polly, ihre einzige Tochter, die seit Jahren an einer unheilbaren Krankheit leidet, liegt im Sterben. Als ihre Leiche verschwindet verbinden sich plötzlich der grausame Mordfall und ihr Privatleben.
Die Protagonistin wird glaubwürdig und facettenreich geschildert. Vor allem ihr Kampf um das Leben der Tochter und wie sie damit umgeht – insbesondere in Verbindung mit ihrem Beruf und dem, was sie täglich erleben muss – ist intensiv gezeichnet. Eine außergewöhnliche Figur, die den Roman trägt. Die Motivlage und der Hintergrund der Tat erscheinen mir technisch etwas gewagt, aber grundsätzlich glaubwürdig.
Nicht gelungen ist jedoch der obligatorische Alleingang, der nur als grenzenlos doof bezeichnet werden kann und bei dem ich mich in jedem Krimi frage, ob Ermittler in der Realität wirklich so kopflos sich und andere gefährdend handeln würden. Auch die ebenso schablonenhafte Rettung in letzter Minute – vorhersehbar, da diese Art Krimi immer gut endet – kam etwas abrupt und unmotiviert.

Über weite Strecken spannend und unterhaltsam, jedoch mit großen Schwächen gegen Ende.

Angelika Klüssendorf – April

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Angelika Klüssendorf – April

April – ein Name wie ein Monat. Der der Regen bringt und Sonne, täglich überrascht und geprägt ist von Unbeständigkeit und zu keiner der Jahreszeiten wirklich passt. So ist auch das fast erwachsene Mädchen, das in Leipzig zu DDR Zeiten seinen Platz in der Gesellschaft sucht und nicht findet. Nach einem Selbstmordversuch zwar den langweiligen Bürojob los, wird sie jedoch die nächsten Jahre mit dem Stempel „psychisch krank“ und verschiedenen Ärzten verbringen, aber das stört sie nicht. Wechselnde Männerbekanntschaften, die jedoch alle für sie oberflächlich bleiben, obwohl der eine oder andere sie aufrichtig liebt. Dann ein Sohn, Julius, doch auch ihn zu lieben fällt ihr schwer. Das erhoffte bessere Leben im Westen – auch dies war nur eine Illusion.

Der Roman ist schwer greifbar. Man verfolgt April in ihren Eskapaden – wenn man die Suche nach sich selbst und dem Sinn des Daseins so nennen kann. Verständnis für manches – ja, bei ihrer Familienkonstellation und dem gefangensein in der DDR nachvollziehbar. Dann vor allem im Bezug auf den Umgang mit ihrem Sohn schieres Unverständnis.  April passt in keine Schublade, wie auch der Roman. Das Mädchen wird älter aber nicht erwachsen. Die macht Erfahrungen, lernt aber nicht. Sie hat eine gewisse Cleverness und Kunstgespür, zeigt auch Zuneigung, kann aber weder mit dem einen noch mit dem anderen ein sinnvolles Leben gestalten.