Fabian Eder – Das Gesicht der anderen

Ein schreckliches Unglück verändert das Leben von Margarete Boll für immer: bei einem Sommerfest löst sich ein Schuss aus einer Waffe und zerstört das Gesicht der 17-jährigen. Ausgerechnet aus der Waffe ihres Vaters. Die Eltern können das Leid nicht ertragen und suchen schon bald den Freitod. Das Mädchen bleibt als Erbin des Familienimperiums alleine im Schloss zurück, versteckt vor der Öffentlichkeit, die die entstellte Kreatur nicht ertragen kann. Einzig Hausdame Anna steht ihr bei. Ihr Leben ändert sich, als sie Kontakt zu Männern aufbaut und langsam kehrt auch ihr Mut zurück.
Was spannend und tragisch beginnt, lässt leider sehr schnell nach. Fängt der Anfang des Romans noch das Leid der Figuren ein und kann Margaretes Isolation spürbar darstellen, verändert sich die Figur in ihrem Auftreten sehr plötzlich und grundlegend ohne dass dies in irgendeiner Weise motiviert wäre. Zudem ist ihr Verhalten derart radikal, dass es für mich keinen Sinn ergibt. Das letzte Viertel der Handlung ist geprägt von Sex- und Gewaltdarstellungen, die ohne weitere Erklärungen aneinandergereiht werden und leider keinen Einblick mehr in das Seelenleben der Figuren bieten.
Sprachlich bleibt die Darstellung weitgehend oberflächlich, die Dialoge wirken wenig authentisch und glaubwürdig.

Fazit: eine gute Idee, die viel Raum für psychologische Tiefe geboten hätte, wurde leider sehr schwach umgesetzt und kann letztlich nicht überzeugen.
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