John Lucas – No way back

Der 15-jährige Jay wohnt in der Londoner Vorstadt und hat sich eine respektable Position in der Gang der Boyz erarbeitet. Mit Hannah, die er in der Kirche seiner Tante, bei der er zwangsweise wohnt, kennengelernt hat, erlebt er gerade die erste Liebe. Alles könnte so leicht sein, die kleinen Drogengeschäfte laufen, die Eltern nerven dank der Distanz auch nicht mehr und bald kann er in die obere Riege der Boyz aufsteigen. Doch um dies zu erreichen stellt ihm der Anführer Shads eine Aufgabe: er soll ein Mitglied der rivalisierenden Gang töten.

Auch wenn die geschilderten alltäglichen Drogenverkäufe und –konsum sowie die zahlreichen Morde sicherlich etwas weit hergeholt sind, kann das Jugendbuch zunächst überzeugen. Der Protagonist befindet sich in einer Identitätskrise gefangen zwischen rivalisierenden Weltanschauungen und Werten und beginnt zu hinterfragen, was ihm im Leben wichtig ist und welche Art von Dasein er führen möchte. Seine Beziehungen im Familien- und Freundeskreis werden auf eine harte Probe gestellt und in dieser Hinsicht ist das Buch sicherlich Zielgruppen adäquat. Sprachlich ist es ansprechend und die Handlung ist weitgehend glaubwürdig dargestellt. Einziger Wermutstropfen ist für mich der im letzten Drittel extrem in den Vordergrund gerückte religiöse Aspekt, der dem Leser nahelegt, dass nur ein Leben in und mit der Kirche sinnvoll sein kann und nur dort auch Erfüllung und Sinnhaftigkeit zu finden sind. Dies wirkt auf mich nur wenig überzeugend und unangemessen, über ein Jugendbuch missionieren zu wollen, erscheint mir nicht erfolgreich. Nichtsdestotrotz neben dem Unterhaltungswert auch was zum Nachdenken mit dabei. 
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