André Aciman – Mein Sommer mit Kalaschnikow

Mit seinem Sohn ist der Ich-Erzähler in Harvard, um diesen für ein Studium dort zu begeistern. Beim Wandeln durch die ehrwürdigen Hallen fällt ihm sein letzter Sommer als Student wieder ein, der Sommer nach der verpatzten Prüfung, in dem er Kalasch  kennen lernte.  Der gebürtige Ägypter trifft den tunesischen Taxifahrer im Café Algiers und ist von dessen aufbrausender Art und seiner Ablehnung Amerikas zugleich fasziniert und abgestoßen. Sie bilden ein seltsames Gespann, gemeinsam ist ihnen vor allem die Sprache und Erinnerungen an Frankreich, ansonsten eint sie wenig. In diesem Sommer wird der Erzähler erwachsen, in der Spiegelung zu Kalasch findet er seinen Platz in dem Land, das ihm bis dato fremd blieb.

Acimans Roman ist nicht leicht zu fassen. Die beiden Protagonisten finden zueinander, entfernen sich wieder, lernen von einander, verachten sich bisweilen. Als Leser hat man es nicht leicht dem Erzähler zu folgen, zu oft sind seine Handlungen frustrierend, sein Verhalten unmöglich. Auch Kalasch ist kein leichter Charakter, er bietet zahlreiche Reibungspunkte. Überzeugen kann das Buch durch den Ausdrucksreichtum und die treffenden Beschreibungen, das Harvard Ende der 70er Jahre entsteht vor dem Leser und nimmt ihn in sich auf. Trotz allem bleibt man am Ende unbestimmt unzufrieden zurück – ein buch, nicht leicht zu fassen.

Advertisements