Michael Wallner – Die russische Affäre

Anna lebt mit ihrer Familie im sowjetischen Moskau. Ihr Mann Leonid ist als Soldat wenig zu Hause, ihr Sohn Petja schwerkrank und ihr Vater ein Lyriker, der zurückgezogen von der Gesellschaft seine Verse reimt. Als Anstreicherin fällt sie eines Tages dem stellvertretenden Forschungsminister auf – und sie lässt sich auf eine Affäre mit Bulyagkow ein. Schnell profitiert sie davon, ihr Sohn bekommt eine bessere medizinische Versorgung, die Kleinigkeiten des Alltags, die nur schwer erhältlich sind, stehen ihr plötzlich offen. Doch der Geheimdienst entwickelt Interesse an ihr und zwingt sie, Informationen über Bulyagkow zu liefern. Was sich zunächst nur als moralisches Problem für Anna darstellt, wird schon bald für ihre Familie zur Zerreißprobe und zu spät bemerkt sie, wie sie zum Spielball verschiedenster Interessen geworden ist.

Die Darstellung der Sowjetzeit mit all ihren Einschränkungen, die maßgeblich die Handlung bestimmen, ist überzeugend gelungen. Auch Annas ungewöhnliche Lieben, weder zu Leonid noch zu Bulyagkow ist dies normal, haben eine ganz eigene Note. Der Roman gewinnt gegen Ende, wenn sich langsam der Schleier hebt und die wahren Interessen ans Licht kommen, enorm an Format und Spannung.
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