David Foenkinos – Les souvenirs

Er erinnert sich an den Tod seines Großvaters, der ihn hart getroffen hat. Ebenso wie seine Großmutter, die in der Folge immer mehr abbaut. Aber auch seine Eltern sind weit davon entfernt, ein unbeschwertes Leben zu führen. Und er selbst? Eigentlich will er schreiben, doch sein Job als Nachtportier im Hotel hält ihn davon ab – vielleicht sind es aber auch die Ideen, die Fehlen. Als seine Großmutter aus dem Altersheim flüchtet, hat er eine Aufgabe: sie finden und ihr einen großen letzten Wunsch erfüllen. Dass dieser auch sein Leben für immer verändern wird, ahnt er noch nicht.

Der Ich-Erzähler erinnert sich, so wie alle anderen Figuren. Mal zum Schmunzeln, mal schmerzhaft sind die Dinge, die wieder erweckt werden, immer dann, wenn beide Perspektiven präsentiert werden, zeigt sich Foenkinos erzählerisches Geschick. Dieselbe Szene zu wiederholen, ohne dass dies langweilig wird, erfordert ein ausgefeiltes Können. Dieses stellt er auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen unter Beweis. Das Hochfliegen der Gefühle ebenso wie die unsanfte Landung in der Realität finden ihren Platz in dieser Erzählung. Wie auch in seinen Vorgängern leichtfüßig, poetisch und ungemein nah.

Yoko Ogawa – Das Geheimnis der Eulerschen Formel

Eine Haushälterin wird von der Agentur zu einem neuen Kunden geschickt. Der Arbeitgeber scheint schwierig, schon viele haben vor ihr entnervt aufgegeben. Von der Schwägerin des Mathematikprofessors erfährt sie auch weshalb: seit einem Unfall 1975 kann er sich nur noch an Dinge erinnern, die innerhalb der letzten 80 Minuten passiert sind. Jeden tag wird sie sich ihm aufs Neue vorstellen müssen und er wird keine Erinnerung an sie haben. Seine Zeit verbringt er damit, mathematische Rätsel in Zeitschriften zu lösen. Um sich ganz elementare Dinge des Alltags merken zu können, notiert er diese auf kleinen zetteln, die er an seinen Anzug heftet. Eine schräge Beziehung entwickelt sich und schon bald findet der ältere Herr Gefallen auch an Root, dem Sohn der Haushälterin, dessen Name sich so schön als mathematisches Zeichen darstellen lässt. Im Umkehrschluss entdecken Mutter und Sohn die Schönheit der Mathematik und teilen schon bald die Begeisterung des Professors.

Yoko Ogawa ist ein wunderschöner Roman gelungen, der mit einer unglaublichen Leichtigkeit die Schönheit der Mathematik darzustellen vermag und mit außergewöhnlichen Charakteren besticht. Keine große Entwicklung über viele Jahrzehnte, sondern lediglich ein kleiner Ausschnitt, ein paar Wochen aus dem leben der drei Figuren, welche diese nachhaltig beeinflusst und verändert haben. Volle Punktzahl für gelungene Unterhaltung.