JK Rowling – The casual vacancy

Im beschaulichen Pagfort scheint die Welt in Ordnung als eines abends das Ratsmitglied Barry Fairbrother nach einem Aneurysma tot umfällt. Durch diesen tragischen Todesfall kommt es zu einer Vakanz und das, wo doch direkt eine wichtige Entscheidung bevorsteht: sollen „The Fields“, ein sozialschwaches Viertel, in dem sich auch eine Methadonklinik befindet, umgemeindet und der Stadt Yarvil angeschlossen werden soll. Nach und nach formieren sich die Bewerber und strategisch wird ausgeklügelt, wie Befürworter und Gegner der Abstoßung von „The Fields“ einen Sieg bei der Wahl für sich verbuchen können. Dass so eine lokalpolitische Frage dermaßen viel Unheil wie in der Folge geschildert wird, anrichten kann, ist fast unglaublich, aber durchaus vorstellbar. Neurosen und Ängste werden sichtbar, jahrelang verdrängte Bedürfnisse und Geheimnisse kommen zum Vorschein, existentiellen Fragen darüber, ob man eigentlich das Leben lebt, das man leben wollte, müssen sich die Bewohner stellen. Dabei ahnen sie nicht, dass der heimtückischste Gegner aus einer ganz anderen Ecke scharf schießen wird.

JK Rowling hat einen für mich überzeugenden Roman geschrieben. Ein ganzes Geflecht von Dorfklüngel wird aufgebaut, komplexe Beziehungen mit und ohne langjährige Vorgeschichte, Charaktere mit sehr individuellen Bedürfnissen und Schwächen finden zusammen und bedingen ihren gegenseitigen Niedergang. Der Anfang ist nicht ganz leicht, es sind eine Reihe von Figuren vorhanden und den Durchblick muss man erst finden, aber nach und nach entfaltet sich diese kleine Welt und führt dem Leser vor, wohin Eitelkeit, Selbstüberschätzung, Egozentrik und mangelnde Empathie führen können. Für mich schon jetzt eines der Lesehighlights des Jahres.

Volle Punktzahl: 5/5

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