Markus Rößler – "Purgatorium. Tödliche Sühne"

Ein verstümmelter Toter in einer Scheune stellt die Polizei vor ein Rätsel. Die am Tatort hinterlassenen Zeichen – ein ominöses T sowie eine römische Zehn – lassen die Ermittler rat- und ideenlos zurück. Der Leser ist schon weiter, denn der Täter lässt ihn an seinem Rachefeldzug teilhaben. Wenn die irdischen Instanzen der Kirche seine göttliche Aufgabe schon nicht erkennen, muss er deutlichere Zeichen setzen und selbst die Rache Gottes über die Menschen bringen, das Fegefeuer auf Erden. Seine nächsten Opfer hat er bereits im Visir – ebenso wie den finalen Showdown, den er mit dem ermittelnden Linnemann vorgesehen hat. 

Die Grundidee ist vielversprechend. Der religiös verblendete Serientäter, der sich wegen der erlittenen Qualen und Ablehnung rächt, im Spiel mit der Polizei. Leider bleibt der Blick in die Gedankengänge des Fanatikers zu kurz, um hierüber Spannung und Verständnis aufzubauen. Die Ermittler auf der Gegenseite bestechen durch durchgängig abstoßende Charakteristika. Linnemann ist geschätze 40 Jahre zurückgeblieben in jeder Hinsicht, etwas langsam und sehr beschränkt im Denken, technikfern und mit einfachem Weltbild gesegnet. Seine Kollegen Bender ist ein saufender Hooligan, der besonders durch misogyne Ansichten und primitives Verhalten auffällt. Die Frauenfiguren erfüllen alle Klischees: dummes Hausweibchen, mönnerhassende Karrierefrau und sexbesessenes Dummchen. Dieses abstoßende Personal, dem leider ganze Raum eingeräumt wird, zerstört leider die gute Idee hinter dem Roman, auch die Spannung bleibt daher auf der Strecke. Einige etwas relitätsferne Ausführungen kommen dann zu einem vorhersehbaren und eher  schwachen Finale, das mich enttäuscht zurücklässt. 
3/5
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