Don DeLillo – Cosmopolis

Als Eric Packer am Morgen entscheidet, dass es ein guter Tag zum haare schneiden wäre, ahnt er noch nicht, was dieser tag für ihn auf Lager hat. Nicht nur ist ganz New York dank eines Besuchs des Präsidenten und einer Demonstration von Globalisierungsgegnern gesperrt, so dass das Fahren zur Tortur wird, sondern ein Mann will Rache an ihm nehmen und hat dies genau geplant. In seiner unheimlich langsam vorankommenden Limousine erledigt Eric die alltäglichen Dinge: riskante Spekulationen mit dem japanischen Yen, er trifft sowohl seine Frau wie auch die Geliebte, wird von seinem Arzt untersucht und erfährt dank der Allgegenwart der Nachrichten auch, was außerhalb seines komfortablen Gefährts vor sich geht. Einen Aufsteiger der New Economy entgeht nichts und gleichsam ist es ihm egal, was außerhalb seines begrenzten Radius vorsichgeht. Und wenn Millionen von Dollars verzockt werden – so what? The show must go on.

Don DeLillo hat schon 2003 erahnt, was uns nur wenige Jahre später alle in eine globale Krise stürzen würde. Wie immer treffsicher und punktgenau zeichnet er seine Figuren und lässt kein gutes Haar an den rücksichtslosen Spekulanten, die jeden Kontakt zur normalen Welt verloren haben. Wie auch in seinen anderen Roman fängt er die Stimmung in unglaublicher Weise ein und zieht sein Publikum in einen Bann.

4,5/5

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