Tana French – Grabesgrün

Ein Mädchen wird ermordet am rande einer Ausgrabungsstätte in Irland gefunden. Cassie Maddox und Rob Ryan ermitteln, doch schnell stehen die beiden Ermittler vor einem Dilemma: Rob war Zeuge als seine beiden besten Freunde verschwanden, in unmittelbarer Nähe der aktuellen Fundstelle. Es scheint gewisse Parallelen zwischen den Fällen zu geben, doch weil sie gut vorankommen, behalten sie dies für sich und fahren mit der Arbeit fort. Rob will sich der Vergangenheit dennoch stellen, seine Erinnerungen sind verschüttet, und wie durch Zufall, stößt er auf die Spur des Täters. Der Fall scheint gelöst, doch dann entwickelt er erst richtig sein Potenzial und verlangt den Ermittlern alles ab.

Das Hörbuch entwickelt in den 7 Stunden 30 einen ungewöhnlichen Fall, der nicht alles löst und sich zum teil mit Andeutungen zufrieden gibt. Auch kommt es zu keiner befriedigenden Lösung, die sich der Hörer oder Leser wünscht, aber die Realität ist grausam und nicht immer fair. Unterhaltsam und spannend, wenn auch nicht der sensationelle Wurf.

****/5

Judith Schalansky – Der Hals der Giraffe

„Ein Bildungsroman“ hat Judith Schalansky ihren Roman untertitelt. Und in der Tat geht es um Bildung: im Zentrum steht die Lehrerin Inga Lohmark. Biologie und Sport – die beiden Lebenswissenschaften vermittelt sie tapfer auch nach Untergang des Sozialismus und obwohl ihre Schule vor der Schließung steht. Mit Argusaugen beobachtet und beurteilt sie ihre Schüler – das menschliche Potenzial, das man ihr vorsetzt, wird von Jahr zu Jahr schwächer. Physisch wie intellektuell. Aber eigentlich sind eh alle nur Stereotypen, hundertfach gesehen, in der schlimmsten Phase ihrer Entwicklung – der Pubertät – eigentlich eine Zumutung. Die Kollegen sind da auch nicht besser, biedern sich an, haben nicht verstanden, worauf es im Unterricht und im Leben ankommt: Disziplin, Fleiß, Anstrengung. Mürrisch bis sarkastisch blickt Inga Lohmark auf ihr Umfeld und merkt bisweilen sogar, dass ihr auf der zwischenmenschlichen Ebene einiges fehlt.

Der kurze Roman offenbart vieles der Lehrerin, deren Wirken und letztlich Leben leider sinnlos bleibt, da das Wesentliche fehlt: ihre Tochter und Zuneigung. Die Vergleiche aus der Biologie, messerscharf auf alle Lebenssituationen umgesetzt, sind schlichtweg herrlich, sprachlich ist das Buch ein Hochgenuss und zurecht bejubelt worden. Ist man lange Zeit noch gehässig bei der Protagonistin, offenbart sich mehr und mehr die psychologische Ebene und man gewinnt einen anderen Eindruck, Mitleid macht sich breit. Ein offenes Ende lässt einem ratlos zurück und doch hat man dabei in einen Spiegel geblickt und durchaus was erkennen können.

*****/5