Ferdinand von Schirach – Verbrechen

Ferdinand von Schirach – ein relativ bekannter Berliner Anwalt – erzählt in mehreren Kurzgeschichten aus seinem Berufsleben. Mal kurios, mal brutal, meist überraschend stellen sich die ungewöhnlichen Kriminalfälle dar, die jeweils aus Sicht des Verteidigers beschrieben werden. Die Fälle sind individuelle und verschieden wie auch die Verbrecher und die Umstände: ein Ehemann, der Rache an seiner Frau nimmt ohne jedoch das gegebene Versprechen zu brechen; eine ominöse Teeschale, für die kaltblütig gemordet wird; ein hochbegabtes Talent, das geschickt den Polizei- und Justizapparat an der Nase herumführt; ein Herzinfarkt, der ein Pärchen vor große Probleme stellt; die Zeitumstellung, die beinahe zum belastenden Indiz würde sowie weitere kurze Darstellungen können den Leser fesseln, in Erstaunen setzen, schmunzeln lassen und gelegentlich auch Zweifel an unserem Rechtssystem wachrufen.

Kein klassischer Krimi, keine Hochspannung, aber gute Unterhaltung auch ungewöhnlichem Blickwinkel und mit raffinierter Nebennote geschrieben.

*****/5

Yrsa Sigurdardottir – Seelen im Eis

Nach dem Unfalltod seiner Ex-Frau nimmt Odinn seine Tochter Run zu sich. An das neue gemeinsame Leben müssen sich Vater und Tochter erst gewöhnen, nach einem solchen Schicksalsschlag wird dies nicht einfach. Odinn hat sich extra einen neuen Job gesucht, um mehr Zeit mit Run verbringen zu können. Er muss Rechtsansprüche ehemaliger Heimkinder prüfen. In dem Heim gingen seltsame Dinge vor sich, zwei Jugendliche kamen ums Leben und irgendwer scheint etwas vertuschen zu wollen, warum sonst sollte es Drohanrufe und E-Mails geben? Langsam nähert sich Odinn den Geschehnisse Anfang der 70er Jahre und im laufe seiner Enthüllung wird auch seine Familiengeschichte immer tiefer in den Fall verwickelt.

Vom Ende her betrachtet ist die Geschichte und auch wie die beiden Handlungsstränge zusammengeführt werden, wirklich clever und überzeugend. Leider ist die Erzählweise lähmend und so gar nicht fesselnd. Es liegt eine depressive Stimmung über dem Buch, die einem jede Sympathie für die Figuren vermiest und das Lesen bisweilen quälend werden lassen.

2,5/5