Ian McEwan – Sweet Tooth

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Ian McEwan – Sweet Tooth

Serena Frome blickt knapp vierzig Jahre in die Vergangenheit, in die Zeit als sie für dem MI5 als Agentin tätig und eine sehr kurze Karriere hatte. Clever und hübsch hatte die Pfarrerstochter beste Aussichten auf ein erfülltes Leben. Entgegen ihrer Intuition Literatur zu studieren, folgt sie dem Wunsch der Mutter und widmet sich in Cambridge der Mathematik. Über eine kurze Beziehung mit einem Kommilitonen lernt sie den Professor Tony Canning kennen, der ihr den Weg in den Geheimdienst ebnet. Dort sind Frauen in den 70ern allerdings nicht gerne gesehen und werden mit Sekretariatsaufgaben abgespeist. Doch Serenas Chance kommt, sie soll am Projekt „Sweet Tooth“ mitarbeiten und den Autor Tom Haley heimlich an den Secret Service binden. Was als spannende Aufgabe beginnt und ihr die Arbeit mit ihrer Leidenschaft Literatur ermöglicht, wird irgendwann belastend, denn Serena und Tom verlieben sich – aber es steht eine Lüge zwischen ihnen und Serena wartet verzweifelt auf den Moment, die Karten auf den Tisch legen zu können. Mit Haleys steigendem Erfolg, steigt auch die Gefahr, entdeckt zu werden.

Ian McEwan schenkt dem Leser genau das, was man erwartet: Eine intensive Geschichte voller Liebe zum Detail, die die Gefühle und Zerrissenheit der Figuren ebenso einfängt wie mit kompositorischen Tricks Literatur in der Literatur liefert. Als Gespräche über Autoren und Werke und ebenso Toms Geschichten, die nahtlos eingebettet werden. Dabei eine wunderschöne, blumige Sprache, die für mich McEwans größte Stärke ist, es ist schlichtweg Genuß pur, wie er die Welt in Worte fasst und Ausdrücke findet, die fern von Banalität ins Schwarze treffen.
Nach dem etwas enttäuschenden „Solar“ wieder ganz große Literatur.