Delphine de Vigan – No et moi

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Delphine de Vigan – No et moi

Die 13-jährige Lou, hochbegabt aber nach dem plötzlichen Tod ihrer kleinen Schwester emotional von den Eltern vernachlässigt, trifft auf die 18-jährige No, die seit Jahren auf der Straße lebt. Lou ist fasziniert von dem Mädchen und beschließt ihr zu helfen. Zunächst sind es Einladungen in ein Café, aber Nos Situation verschlimmert sich drastisch und Lou bittet ihre Eltern, sie bei sich wohnen zu lassen. Zunächst lebt das Mädchen auf, so viel Zuwendung haut sie nie erfahren. Auch Lous Mutter, die sich nach dem Verlust den Kindes völlig zurückgezogen hatte, kehrt ins Leben zurück. Doch das Märchen kann nicht andauern und Lou erkennt, dass das Leben nicht immer ein Happy-End zu bieten hat.

Ein wunderschöner Roman aus der Sicht der jungen Lou geschrieben. Ihr kindliches Alter gepaart mit der hohen Intelligenz erlauben ihr einen ganz eigenen Blick auf die Situation. Manches kann oder will sie noch nicht sehen, anderes erfasst sie mit erschreckendem Scharfsinn. Freundschaft und Vertrauen von denen viel abhängen, genauso große Erwartungen und Enttäuschungen, Delphine de Vigan hat die großen Themen der Jugendlichen auf nur 250 Seiten gepackt und gleichzeitig mit der Obdachlosen No eine dramatische Komponente, die auch einige offene Fragen hinterlässt, eingebaut, vor der man in seinem geregelten Leben oft die Augen verschließt. Kann ein Mensch, der gNz unten war wieder ins Leben finden? Reichen Liebe und Zuneigung aus, um alle Risse wieder zu kitten? Und wie viel Verantwortung kann man einem Mädchen zumuten?

Nicht nur für Jugendliche ein Roman mit vielen Facetten. Erinnert mich ein wenig an Muriel Barberys „L’élégance du hérisson“ und an Amélie Nothombs „Métaphysique des tubes“.