Peter Buwalda – Bonita Avenue

Peter Buwalda breitet auf 640 Seiten eine tragische Familiengeschichte aus. Der auf dem Cover dargestellte, verspielt-glückliche Teenager wird Unheil bringen über alle Familienmitglieder sowie ihren Freund, der dem Leser zunächst als Ich-Erzähler gegenüber tritt. Unchronologisch und permanent die Perspektiven wechselnd ist es nicht einfach sich in die Geschichte hineinzufinden, erst nach und nach entfaltet sich das Drama, zudem die Figuren alle auf ihre Weise beitragen.

Im Zentrum steht Siem Sigerius, zuerst erfolgreicher Judoka, später angesehener Mathematiker, der mit zweiter Frau und den beiden Stieftöchtern Joni und Janis eine kurze Zeit der heilen Welt in der Bonita Avenue verbringen darf. Zurück in den Niederlanden entwickeln sich die Dinge schwieriger. Der Sohn aus erster Ehe ist kriminell und bedroht die Familienidylle. Tochter Joni erfüllt auch nicht die Erwartungen des biederen, geordneten Lebens und bereitet unbeabsichtigt mit ihrem Freund Aaron den Sturz des geliebten Stiefvaters vor. Siem scheitert zudem an seinen eigenen Moralvorstellungen und der Aufrechterhaltung des Bildes nach außen. Am Ende bleiben nur Verlierer, die das miteinander Reden und Vertrauen auf ihre Nächsten verlernt haben.

Ein starkes Erstlingswerk, dass durch intensive und sehr nahe Beschreibungen besticht. Die Dramaturgie ist außergewöhnlich und fordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Die Figuren entwickeln sich langsam, sind interessant angelegt, so dass man trotz der Zeitsprünge ihre Veränderungen nachvollziehen kann.

Mich erinnert Peter Buwalda ein wenig an Ian McEwan, wenn auch (noch?) nicht in derselben Intensität, aber die Fähigkeit, die emotional intensiven Verstrickungen von Familienmitgliedern in einen komplexen Roman zu verpacken, der trotz wenig aktiver Handlung nichts an Spannung vermissen lässt, ist ganz eindeutig vorhanden. Ich bin auf die folgenden Werke gespannt!

*****/5